Sie alle waren am Montag als Stinknormale Superhelden am Havelufer in Höhe der Sandauer Brücke unterwegs und sammelten Müll ein. Foto: Andrea Schröder

Stinknomrale Superhelden waren in Havelberg unterwegs und räumten am Havelufer auf.

Von Andrea Schröder

Havelberg l Es war eine illustere Truppe, die sich da am Montagvormittag von der Havelberger Stadtinsel aus in Richtung Sandauer Brücke aufmachte. Gut gelaunt und mit Müllsäcken ausgestattet, marschierte sie los. Immer wieder bückten sich die rund 30 Gruppenmitglieder. Sie hatten es auf jeglichen Müll abgesehen, der auf ihrem Weg zu entdecken war. Schon eine halbe Stunde später war ein Stück der Stadt sauberer und einiges an Abfall in Säcken verstaut.

Die Gruppe kommt aus dem Havelland und verbringt eine Woche der Sommerferien im Erlebnispädagogischen Centrum ELCH in Havelberg. Es ist eine Ferienfreizeit der Diakonie Havelland, die die Schulsozialarbeiter anbieten. Von Nennhausen über Rathenow bis Großwudicke sind Kinder aus verschiedenen Schulen dabei. Am Sonntag war Anreise, am Freitag geht‘s wieder nach Hause. Bis dahin steht ein abwechslungsreiches Ferienprogramm auf dem Plan. Zum Beispiel eine Inseltour in Kanus, eine Radtour nach Kamern mit Besuch des Jugendklubs dort, Auskundschaften des Hauses der Flüsse und Badespaß im Erlebnisbad.

Der Montag stand ganz im Zeichen des Umweltschutzes – ein Part, dem sich die Stinknormalen Superhelden aus Rathenow widmen. Mit dabei Deutschlands einziger hauptberuflicher Superheld Katetschen Bernd, der die Gruppe vor sieben Jahren zum Leben erweckt hat und seitdem mit Mitstreitern zum Beispiel in Schulen unterwegs ist, um Kinder und Jugendliche für die Umwelt zu sensibilisieren. Dabei kommen die Superhelden nicht ernst daher, wie das Thema Umwelt- und Tierschutz vielleicht vermuten ließe. Nein, sie haben Spaß an ihren Aktionen, vermitteln diesen und sorgen in ihren schrillen Kostümen für Aufmerksamkeit.

So viel Müll lag nicht herum

Wer sie einlädt, erfährt erstmal Grundlegendes zu den Themen globale Vermüllung, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten und soziales Miteinander. Die Kinder aus dem Havelland hatten vor dem Start der Müllsammelaktion gut zugehört und wissen zum Beispiel jetzt, dass Zigarettenkippen allein schon jede Menge Gefahr für die Umwelt bedeuten. „Eine Kippe verseucht 40 Liter Grundwasser“, berichtet Macy und erklärt, dass es ihr Wunsch ist, dass der Zigarettenkonsum reduziert wird. Nicht nur, weil es ja auch gesünder für die Raucher wäre, sondern eben auch für die Umwelt. Angesichts auch der Tatsache, dass eine Zigarette um die 700 Giftstoffe enthält. „Ich möchte der Natur helfen“, nennt Macy den Grund, warum es ihr überhaupt nichts ausmacht, in den Ferien auch mal Müll einzusammeln.

In Berlin gab es eine Aktion zum Aufsammeln von Zigarettenkippen. In vier Stunden sammelten 50 Superhelden 60.000 Kippen ein, erfuhren die Kinder. Pro Tag werden in der Hauptstadt neun Millionen Zigaretten geraucht.

Insgesamt sind es um die 15 Stinknormale Superhelden, die sich im Raum Rathenow und Berlin engagieren. Neben den Besuchen in Schulen legen sie in Rathenow im Stadtpark einen Garten mit und für die Bürger an. Nachhaltigkeit ist da ein Thema. Außerdem engagieren sie sich zum Beispiel für die Deutschen Knochenmarkspende.

Was aus einer Laune heraus entstand – Katetschen Bernd erhielt vor sieben Jahren ein Superhelden-Kostüm für ein Fotoshooting zum Geburtstag geschenkt – ist inzwischen zu einer festen Instanz geworden. Schon einige Preise haben die Stinknormalen Superhelden erhalten. Aktuell sind sie für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Ihr Motto: Jeder kann ein Superheld sein! Dass das stimmt, bewiesen die Kinder am Montag in Havelberg. Mit ihren Betreuern sowie Rumpel Kalle als weiterer Stinknormaler Superheld sammelten sie alles auf, was vor ihren Füßen lag. Tatsächlich jede Menge Kippen. Aber auch ein fast verrotteter Rucksack, eine Badehose, Planen, Hocker und diverser Verpackungsmüll. „Ich muss die Stadt aber loben, so viel Müll ist das im Vergleich zu anderen Orten gar nicht“, ist Rumpel Kalle positiv überrascht. Er bückt sich immer und überall nach Kippen und anderem Müll. Auch erst vor kurzem im Urlaub, wo der Sandstrand nun etwas sauberer ist.

Der Kontakt zu den Stinknormalen Superhelden geht über E-Mail an stinknormale-superhelden@gmx.de oder etwa über Facebook.

Quelle: Volksstimme vom 23.07.2019 von Andrea Schröder