Edwin Weidenbach erhält den Volksstimme-Blumenstrauß des Monats Mai

Sie engagieren sich für andere, helfen, bereiten Freude. Dafür vergibt die Volksstimme auch 2018 den „Blumenstrauß des Monats“. Die Ehrung für den Monat Mai geht an Edwin Weidenbach aus Havelberg.

Von Dieter Haase

Havelberg. Er könnte mit seinen fast 70 Jahren – im August erreicht er diese runde Zahl – längst in vollen Zügen das Rentnerleben genießen, „doch ich betrachte es als eine sehr schöne Aufgabe, wenn ich mich, so lange es geht, noch nützlich für die Gesellschaft machen kann“, erklärt Edwin Weidenbach. Und bezeichnet aus diesem Grund das Erlebnispädagogische Centrum Havelberg (ELCH), in dem er sich als „Allrounder“, als Mann für alles, betätigt, als sein zweites Zuhause.

„Für alle Mitarbeiter und auch für unsere Gäste ist er seit vielen Jahren die gute Seele des hauses. Immer freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit und sehr kontaktfreudig, wodurch er prima mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen umzugehen versteht. Er ist zudem Tag und ancht einsatzbereit. „Sieben Tage in der Woche“, lobt der Einrichtungsleiter Jörg Thiemann den ältesten Mitarbeiter des ELCH. Das ist ein Grund, weshalb er ihn für den Blumenstrauß des Monats vorgeschlagen hat.. Ein anderer: „Edwin Weidenbach ist noch geringfügig beschäftigt bei uns – für 10 Stunden in der Woche. Aber auf diese Zeit kommt er mitunter ganz locker schon an einem Tag. Und es ist nicht so, dass ihn der Rest der Woche dann nicht mehr interessieren würde. Ganz im Gegenteil: Edwin zieht voll durch. Nicht selten mit weiteren 50, 60 unbezahlten Wochenstunden für uns, in denen er wirklich hervorragende Arbeit auf freiwilliger Basis, also ehrenamtlich, für die Einrichtung leistet. Den Blumenstrauß des Monats verdient er sich jeden Monat von Neuem“, findet Jörg Thiemann.

Für den es dann gar nicht so einfach war, Edwin Weidenbach für die Überraschung in sein Büro zu holen. Denn dieser ist immer irgendwo am oder im Haus beschäftigt. So war es auch am Mittwoch. Schließlich wurde er bei der Ausgabe von Schwimmwesten für eine Padeltour an eine Kindergruppe ausfindig gemacht – und hatte „eigentlich gar keine Zeit“.

Ein großes Herz für Kinder

Im Büro wurde er dann gebeten, für ein Foto mit einer Rathenower Schulklasse, die sich im ELCH einquartiert hatte, mit vor die Tür zu kommen. Sie hätte sich das gewünscht. Denn Mädchen und Jungen als Gäste des ELCH spüren schnell, dass Edwin Weidenbach ein großes Herz für Kinder hat. So baut er mit Kindern gerne mal Vogelkästen oder zeigt ihnen, wie ein Fahrradschlauch repariert wird. „Wer bringt das seinem Nachwuchs heute noch bei?

Die Rathenower Schüler waren bereits eingeweiht und standen Spalier für die Ehrung mit dem Blumenstrauß des Monats, den Jörg Thiemann dann schließlich überreichte. „Das hat mich echt berührt“, gibt der „Allrounder“ im ELCH zu, der zugleich auch der dienstälteste Mitarbeiter in der Einrichtung ist. Am 1. August vor 14 Jahren hat er hier als Hausmeister angefangen. „Es gab insgesamt 20 Bewerber auf die Stelle. Ich habe mich riesig gefreut, dass die Wahl am Ende auf mich gefallen ist“, erinnert er sich. Heute unterstützt er den jetzigen Hausmeister Thomas Holweg tatkräftig bei dessen Arbeit.

Hat über 50 Fahrräder unter seinen Fittichen

Im Keller des Hauses hat er seine eigenen „Bastel- und Werkräume“. Womit zum Beispiel die über 50 Fahrräder gemeint sind, die das ELCH zum Ausleihen bereit hält. Die meisten davon stehen schon seit 2002 hier, sind aber so gut in Schuss, als wären sie erst vor kurzem angeschafft worden. „Das ist meine Beschäftigung vor allem im Winter“, sagt Edwin Weidenbach. Dann kontrolliert, putzt, wartet und repariert er ein Fahrrad nach dem anderen. „Wir tragen hier ja auch eine große Verantwortung, wenn wir die Zweiräder herausgeben“, fügt er an. „Sie müssen immer in einem verkehrssicheren Zustand sein.“ Tritt jetzt in der Saison einmal ein Defekt auf, dann wird er von Edwin Weidenbach natürlich auch gleich behoben. „Vor kurzem hat eine Radtouristin hier einen Platten an ihrem Zweirad gehabt. Sie brauchte nicht erst um Hilfe zu bitten. Edwin war sofort zur Stelle, um den Schaden zu beheben“, erzählt Jörg Thiemann. Und auch, dass er dessen Arbeit im Außenbereich, beginnend bei der Rasenpflege und der Instandhaltung der Hüpfburg, die auch schon einige Male geflickt werden musste, sehr schätzt. Ein Steckenpferd von Edwin Weidenbach ist auch die Fünf-Insel-Paddeltour, die er sich als kompetenter Führer nicht entgehen lässt, wenn sie von einer Gruppe gebucht worden ist. „Ich zähle nicht die Stunden“, was gemacht werden muss, wird gemacht“, sagt er.

Das Angeln ist seine Leidenschaft

Überhaupt fühlt sich Edwin Weidenbach am und auf dem Wasser sehr wohl. Und er ist ein leidenschaftlicher Angler. Was einen nicht verwundert, wenn man weiß, dass er in seinen jungen Jahren als Hochseefischer auf dem Nordwestatlantik unterwegs war, dass er später Fischer auf dem Klietzer See gewesen ist und vor der Wende 14 Jahre lang der Havelberger Fischereigenossenschaft gearbeitet hat. – Die Fischerei bestimmte einen großen Teil seines Lebens und ist ihm als Hobby geblieben. Wenn Gäste des Erlebnispädagogischen Centrums nach Angelmöglichkeiten in der Umgebung fragen, dann sind sie bei Edwin Weidenbach genau an der richtigen Adresse. Er kann ihnen so viel darüber erzählen. Gerne auch auf einer der Bänke mit Havelblick am ELCH, die er im übrigen auch selber gebaut hat. Hier entspannt er auch mal selber ganz gerne – und lässt sich eine Flasche Bier dabei schmecken.

Quelle: Volksstimme vom 19.5.2018 von Dieter Haase